2016
postfaktisch
Definition
"postfaktisch" wurde gewählt, weil es einen tiefgreifenden politischen Wandel beschreibt, bei dem nicht mehr objektive Fakten, sondern die "gefühlte Wahrheit" den Erfolg bestimmt. Das Wort des Jahres 2016 der Gesellschaft für deutsche Sprache verweist darauf, dass Emotionen in politischen Debatten wichtiger sind als belegbare Tatsachen. Es entstand als Lehnübersetzung des englischen Begriffs "post truth" und steht exemplarisch für eine Zeit, in der Fakten oft ignoriert und Lügen akzeptiert werden, wie beim US-Wahlkampf 2016 mit Donald Trump. Auch Angela Merkel nutzte den Begriff, um diese Entwicklung zu beschreiben.
Historischer Kontext
2016 prägten globale politische Umbrüche wie die Flüchtlingskrise, der Brexit und der US-Präsidentschaftswahlkampf den gesellschaftlichen Diskurs. In Deutschland wurde "postfaktisch" vor allem im Zusammenhang mit wachsender Skepsis gegenüber etablierten Institutionen und Medien diskutiert. Der Begriff beschreibt die zunehmende Bedeutung von Emotionen und subjektiven Wahrheiten, die Fakten und rationale Argumente in politischen Debatten verdrängen.
Beispiel
"Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen allein den Gefühlen." – Angela Merkel, September 2016