Wort des Jahres

1984

Überdrußgesellschaft

Definition

"Überdrußgesellschaft" wurde gewählt, weil es 1984 die Stimmung in der Bundesrepublik Deutschland treffend beschreibt: eine Gesellschaft, die von Ermüdung und Übersättigung geprägt ist. Das Wort kombiniert „Überdruß“ (Müdigkeit oder Abneigung) mit „Gesellschaft“ und steht für eine allgemeine Unzufriedenheit und Überforderung gegenüber politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen. Es fasst die wachsende Resignation und Kritik an bestehenden Verhältnissen zusammen, die sich in den frühen 1980er Jahren zeigten, etwa durch wirtschaftliche Probleme, Umweltdebatten und politische Spannungen. Bundeskanzler Helmut Kohl und gesellschaftliche Bewegungen jener Zeit sind indirekt mit dem Begriff verbunden.

Historischer Kontext

1984 war Deutschland von wirtschaftlicher Stagnation und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt. Themen wie Umweltschutz, Arbeitslosigkeit und die Nachkriegsentwicklung dominierten die öffentliche Debatte. International beherrschte der Kalte Krieg das politische Klima. Die „Überdrußgesellschaft“ spiegelte eine wachsende Skepsis und Unzufriedenheit wider, die sich in Medien und Diskussionen als Ausdruck einer müden und kritischen Gesellschaft zeigte, die nach neuen Perspektiven suchte.

Beispiel

„Die Überdrußgesellschaft zeigt sich in der wachsenden Skepsis gegenüber politischen Versprechen und gesellschaftlichen Veränderungen.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1984)