2011
Döner-Morde
Definition
"Döner-Morde" wurde gewählt, weil der Begriff die rechtsextrem motivierte Mordserie an neun ausländischen Kleinunternehmern, hauptsächlich türkischer Herkunft, sowie einem griechischen Opfer zwischen 2000 und 2006 auf eine verharmlosende und stereotype Weise reduziert. Die Mordserie wurde von der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) verübt, die 2011 enttarnt wurde. Die Bezeichnung blendete die politische Dimension der Taten aus und führte zur Diskriminierung der Opfer, indem sie auf ein Imbissgericht, den Döner, reduziert wurden. Die Jury des Unwortes des Jahres kritisierte diese Wortwahl als unangemessen und rassistisch.
Historischer Kontext
Die NSU-Mordserie wurde 2011 öffentlich bekannt und löste eine breite gesellschaftliche Debatte über Rechtsextremismus, institutionellen Rassismus und Fehler der Ermittlungsbehörden aus. Die Medien hatten die Morde lange Zeit als "Döner-Morde" bezeichnet, was die rassistische Motivation verschleierte und Vorurteile verstärkte. Die Wahl des Begriffs als Unwort des Jahres machte auf die Notwendigkeit einer sensiblen Sprache aufmerksam und spiegelte die gesellschaftliche Auseinandersetzung wider.
Beispiel
"Die Bezeichnung 'Döner-Morde' verharmlost die Mordserie an neun ausländischen Kleinunternehmern und blendet die politische Dimension der rechtsextremen Taten aus." – Nina Janich, Jurysprecherin der Unwort-Jury, 2011