2005
Entlassungsproduktivität
Definition
"Entlassungsproduktivität" wurde gewählt, weil der Begriff in der Betriebswirtschaftslehre eine gleichbleibende oder gesteigerte Arbeits- und Produktionsleistung beschreibt, die trotz der Entlassung zahlreicher Mitarbeiter erwartet wird. Er wird als Euphemismus kritisiert, der die sozialen Folgen von Arbeitsplatzabbau und die Mehrbelastung der verbleibenden Beschäftigten verschleiert. Der Begriff steht für eine kalte, betriebswirtschaftliche Sichtweise, die menschliche Schicksale und soziale Verantwortung ignoriert. Er wurde 2005 als Unwort des Jahres ausgezeichnet, da er die Härten von Entlassungen verharmlost und die soziale Realität ausblendet.
Historischer Kontext
Im Jahr 2005 war Deutschland von hoher Arbeitslosigkeit und Debatten über Arbeitsmarktreformen geprägt, insbesondere durch die Agenda 2010. In diesem Umfeld wurde „Entlassungsproduktivität“ kontrovers diskutiert, da der Begriff die Erwartung ausdrückte, dass trotz Personalabbau die Produktivität nicht sinken dürfe. Die öffentliche Kritik richtete sich gegen die technokratische und entmenschlichende Haltung, die die Belastung der Beschäftigten und die sozialen Folgen von Entlassungen ignorierte.
Beispiel
"Der Begriff ‚Entlassungsproduktivität‘ bezeichnet eine gleichbleibende oder gar gesteigerte Arbeitsleistung trotz des Abbaus von Arbeitsplätzen – eine Forderung, die viele Beschäftigte unter enormen Druck setzt."