2003
Tätervolk
Definition
"Tätervolk" wurde gewählt, weil der Begriff ein ganzes Volk für die Taten einzelner Tätergruppen verantwortlich macht und damit den Vorwurf einer Kollektivschuld erhebt. Er schließt dabei auch Verfolgte und Widerstandskämpfer mit ein oder grenzt sie aus. Die Jury erklärte "Tätervolk" 2003 zum Unwort des Jahres, da es keine Kollektivschuld gegen ein ganzes Volk zulässt. Der Begriff wurde besonders im Zusammenhang mit der deutschen NS-Vergangenheit diskutiert, etwa durch die Publizistin Lea Rosh und die umstrittene Rede des CDU-Politikers Martin Hohmann, der den Begriff auf Juden bezog und damit antisemitische Muster bestätigte.
Historischer Kontext
2003 stand in Deutschland die Erinnerungskultur zur NS-Vergangenheit im Fokus. Die Debatte um das Holocaust-Mahnmal in Berlin und die Frage nach kollektiver Schuld waren zentral. Die Rede von Martin Hohmann, in der er Juden als "Tätervolk" bezeichnete, löste breite Empörung aus und führte zu seinem Ausschluss aus der Unionsfraktion. Die öffentliche Diskussion spiegelte die Spannungen um Schuldzuweisung und Erinnerung wider, auch im Kontext von Daniel Goldhagens Buch "Hitlers willige Vollstrecker".
Beispiel
In seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit 2003 sagte Martin Hohmann: „Die Juden sind heute das Tätervolk, das die Deutschen als Volk der Täter dargestellt haben.“