1995
Diätenanpassung
Definition
"Diätenanpassung" wurde gewählt, weil der Begriff die 1995 im Deutschen Bundestag beschlossene Erhöhung der Abgeordnetenentschädigungen verharmlost. Er suggeriert eine sachliche und notwendige Änderung, obwohl es sich um eine umstrittene Gehaltserhöhung handelte, die ohne externe Kontrolle beschlossen wurde. Die Bezeichnung diente als Euphemismus, um Kritik an der Selbstfestlegung der Abgeordnetenbezüge zu dämpfen. Die Debatte war politisch und gesellschaftlich stark umstritten und führte zur Wahl des Begriffs als Unwort des Jahres 1995.
Historischer Kontext
1995 befand sich Deutschland in der Phase der politischen Konsolidierung nach der Wiedervereinigung, mit einer Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD. Die geplante Erhöhung der Abgeordnetendiäten löste eine breite öffentliche Debatte aus, da viele Bürger angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen die Erhöhung als unangemessen empfanden. Die Medien griffen das Thema intensiv auf, und die sprachkritische Aktion ‚Unwort des Jahres‘ kritisierte die beschönigende Sprache der Politik.
Beispiel
„Die sogenannte ‚Diätenanpassung‘ ist nichts anderes als eine versteckte Gehaltserhöhung für die Abgeordneten, die von der Bevölkerung kaum akzeptiert wird.“ (Zeitungsartikel, 1995)